Seite 1 2 Wo der Patriotismus entsteht: Die Fahnenfabrik
„1990 war viel krasser“ – Zu Besuch bei Fahnen Richter
Die Türglocke klingelt beim Betreten des kleinen Geschäfts in der Limburger Straße. Es ist Anfang Dezember, die Fußball-Weltmeisterschaft liegt fast ein halbes Jahr zurück. Doch bei Fahnen Richter scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.
Deutschland 40 x 60 cm
Wilhelm Dieter Spitz steht an der Kasse. An der Wand hinter ihm stapeln sich die Länder dieser Erde fein säuberlich sortiert in Plastikboxen. „Elfenbeinküste“ neben „Polen“ und „Brasilien“. In Klarsichtfolie verschweißt warten die Flaggen der WM Teilnehmer 2006 noch immer auf begeisterte Fans. Für „Deutschland“ ist eine ganze Reihe reserviert. „Ohne Adler“, in den Maßen 40×60cm oder 60×90cm oder, oder, oder. „Die Bundesflagge gibt es in 20 verschiedenen Größen. Von ganz klein bis riesig haben wir alles im Angebot“, erzählt Spitz.
1990 sind wir überrannt worden
Seit 26 Jahren sind Flaggen sein Geschäft. Fans von sechs Fußball-Welt- und sieben Europameisterschaften hat er erlebt. Doch die WM im eigenen Land war trotzdem etwas ganz besonderes für ihn: „Dat is wie jeck jelaufen in den ersten Tagen“, erinnert sich der 61-jährige. „Fast wie zum Weltjugendtag.“ Aber nicht annähernd so krass wie 1990 fügt er hinzu. „Damals war’s viel schlimmer. Wir sind überrannt worden, denn so kurz nach der Wende hatten die wenigsten Deutschen eine Grundausstattung.“
2006 waren vielleicht deshalb die kleinen Fähnchen fürs Auto der absolute Renner. „Die gab es ja früher nicht. 4000 bis 5000 Stück haben wir davon locker verkauft.“ Die verbliebenen Reste luken aus zwei braunen Pappkartons hervor. Spitz selbst hat keine davon besessen – das fehlende Auto ist Schuld. Dafür schmückte seinen Balkon die neutrale Fifa-Flagge, denn „ich bin bekennender Italienfan.“
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