Seite 1 2 3 4 Kampagne: “Du bist Deutschland”
Sonja Zekri, Feuilleton-Redakteurin bei der Süddeutschen Zeitung, äußerte sich in dem Buch „Deutsche Zustände“ ebenfalls kritisch über die Kampagne. Sie stellte die Frage nach dem „Warum“: Warum trat diese Kampagne mit solch einer Heftigkeit auf? Warum genau in dieser Zeit, als heftig über Parallelgesellschaften und Integrationsversäumnisse diskutiert wurde? Aus Zekris Sicht war erstaunlich, wie die überwältigende WM-Stimmung sämtliche politische Debatten einfach absorbierte. Die Politiker nutzten diese überaus positive Stimmung und - so argumentiert die Feuilletonistin - trafen in dieser Zeit eine Vielzahl unliebsamer politischer Entscheidungen, wie z.B. die Erhöhung der Mehrwertsteuer.
Zekri bezeichnet die Kampagne als „gigantischen Umarmungsversuch, die Verschmelzung des Individuums mit der Masse“. Die Kampagne habe ein Versprechen über „die Aufhebung des einzelnen im Kollektiv“ gegeben. Sie weckte keine größeren Vorurteile, wahrscheinlich weil sie sich so harmlos näherte. Deutschland leistete sich für 32 Millionen Euro einen Stimmungsaufheller. So viel Geld nur für einen Stimmungsaufheller? Auch für die Werbeagentur Jung von Matt, die die Werbekampagne „freiwillig und ohne einen finanziellen Nutzen“ umsetzte, standen in Wirklichkeit wirtschaftliche Interessen im Vordergrund, meint Zekri.
Die positive wie auch negative Resonanz zeigte den Initiatoren der Kampagne, dass sie ihr gewünschtes Ziel erreicht hatten. Das bestätigte auch die Tatsache, dass sich auf der Homepage die Einträge stapelten, sich zahlreiche Blogs bildeten und es über eine Millionen Einträge bei Google gab. Wo sich anfangs nur 25 Unternehmen engagierten, sind es heute weit über 1000 Projekte und diverse Initiativen, die die Kampagne weitertragen und unterstützen. Und täglich werden es mehr.