Seite  1   2   3  Interview: U. Rosar, Soziologe

8. Es gibt also auch Unterschiede zwischen Alt und Jung?

Es gibt mit Sicherheit einen ganz klaren Generationenunterschied.
Da gibt es beispielsweise die Nachkriegs- oder 68er Generation, die oftmals mit einem sehr distanzierten Verhältnis zum eigenen Land aufgewachsen ist. Menschen dieser Generation wird die WM sehr irritiert haben, da man in ihrer Vorstellung nicht Fahne schwenkend durch die Straßen Kölns zieht. Dann gibt es die Generation, für die der zweite Weltkrieg und der Nationalsozialismus endgültig Geschichte sind. Sie wissen, dass das eine historische Verantwortung ist, die unser Land wahrscheinlich nie wieder los wird. Aber sie wissen auch, dass sie dafür nicht mehr in Sippenhaftung genommen werden können. Diese Generation ist die Trägerin eines relativ entspannten Verhältnisses zur Nation.

9. Ausländische Beobachter wie z.B. Großbritannien und sein linksliberaler „Observer“ zeigten sich positiv überrascht über den sanften und friedlichen Patriotismus in Deutschland. Hat die offenkundige Heimatliebe das Ansehen der Deutschen in Europa bzw. in der Welt verändert?

Es passte jedenfalls kaum zu den üblichen Klischees. Gute Laune, das ist ja nicht unbedingt etwas wofür Deutsche in der Welt berüchtigt sind.
Man kann froh sein, wenn diese Weltmeisterschaft das Ansehen Deutschlands in der Welt ein bisschen gebessert hat. Man sollte aber nicht all zu viel erwarten.

10. Von welchem Land könnten wir, in Bezug auf Vaterlandsliebe, etwas lernen?

Von keinem Land! Das Verhältnis der Bürger zu Ihrer jeweiligen Nation ist von historischen Voraussetzungen und aktuellen Umständen geprägt, die so mit keinem anderen Land auf der Welt vergleichbar sind. Wir müssen mit den Möglichkeiten und mit den Lasten, die wir haben, leben und schauen, dass wir das Beste daraus machen. Da hilft uns auch kein Blick über den Tellerrand.

11. In wie weit wird das positive Gefühl über die WM hinausgetragen?

Inzwischen ist die Weltmeisterschaft ja zur WM-Nostalgie geworden. Es müssten
neue positive Identifikationspunkte kommen und die müssten wiederum wie der Funke im Pulverfass zünden. So wie es eben im Sommer war.

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